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Krisenvorsorge in Deutschland 2026: Die BBK-Liste plus was wirklich fehlt

15 min Lesezeit
Aktualisiert am: 13. Mai 2026 Geprüft am: 8. September 2026
Organisiertes Vorratsregal mit Konserven, Wasserkanistern und Notfallausrüstung
Krisenvorsorge ist kein Prepper-Hobby, sondern Verantwortung gegenüber dir und deiner Familie. Bild: KI generiert

TL;DR

Das BBK empfiehlt 10 Tage Vorrat. Die offizielle Liste hat Lücken: Wasserfilterung, Bargeld, Kommunikation, Medikamente und Heizung ohne Strom fehlen. Drei Stufen: 10 Tage (200 EUR), 30 Tage (500 EUR), 90 Tage (1.500 EUR). Realistischste Bedrohungen 2026: Stromausfall (72h), Cyberangriffe auf Infrastruktur, Lieferkettenunterbrechung. FIFO-Rotation verhindert abgelaufene Vorräte.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt seit Jahren, mindestens 10 Tage Vorräte zu lagern. Die meisten Deutschen haben Vorräte für 2-3 Tage. Das ist in einer ernsten Krise zu wenig.

Dieser Guide nimmt die offizielle BBK-Liste als Basis, zeigt dir die Lücken, baut drei Budget-Pakete auf und erklärt, welche Bedrohungslagen 2026 realistisch sind. Kein Weltuntergangs-Szenario, sondern nüchternes Risikomanagement.

Die BBK-Checkliste: Was offiziell empfohlen wird

Das BBK empfiehlt pro Person für 10 Tage:

KategorieMenge (10 Tage, 1 Person)Beispiele
Wasser20 Liter (2L/Tag)Trinken, Kochen, Minimalhygiene
Getreideprodukte3,5 kgNudeln, Reis, Haferflocken, Brot/Knäckebrot
Gemüse/Hülsenfrüchte4 kgKonserven, eingelegtes Gemüse, getrocknete Linsen
Obst/Nüsse2,5 kgObstkonserven, Trockenfrüchte, Nüsse
Milch/Fette2,6 kg + 0,4 kgH-Milch, Hartkäse, Speiseöl, Butterschmalz
Fleisch/Fisch1,5 kgKonserven (Thunfisch, Corned Beef), Trockenfleisch

Was auf der BBK-Liste fehlt

Die offizielle Empfehlung deckt Nahrung ab, ignoriert aber entscheidende Bereiche. Sechs Lücken, die du selbst schließen musst:

  1. Wasserfilterung: 20 Liter halten 10 Tage. Danach? Ein Wasserfilter (Sawyer Squeeze, ~35 EUR) filtert Bakterien und Protozoen aus Regenwasser, Bachläufen oder der Badewanne. Zusätzlich: Micropur-Tabletten als Backup.
  2. Bargeld: Kein Strom = keine Kartenzahlung = kein Geldautomat. Halte 500-1.000 EUR in kleinen Scheinen (5er, 10er, 20er) zu Hause. Nicht auf dem Konto, nicht in der Bank.
  3. Kommunikation: Mobilfunk fällt bei längerem Stromausfall aus (Basisstationen haben meist 2-4 Stunden Batteriepuffer). Ein batteriebetriebenes Radio (DAB+/UKW) empfängt Behörden-Durchsagen. Für Kommunikation untereinander: PMR446-Funkgeräte (ab 25 EUR pro Paar).
  4. Medikamente, Chronisch Kranke: mindestens 3 Monate Bedarf an verschreibungspflichtigen Medikamenten lagern. Für alle: Schmerzmittel, Durchfallmittel, Wunddesinfektion, Verbandsmaterial, persönliche Hausapotheke.
  5. Heizung ohne Strom: Ein Stromausfall im Januar ist eine andere Sache als im Juli. Petroleumofen (100-200 EUR, belüften!), Schlafsack (Komforttemperatur 0°C), Isomatte. Wer einen Kamin hat: Brennholz für mindestens 2 Wochen lagern.
  6. Beleuchtung: Stirnlampe (händefreies Arbeiten), Kerzen (Langzeit-Beleuchtung, auf Brandschutz achten), Kurbel- oder Solar-Taschenlampe als Backup. Batterien/Akkus in ausreichender Menge.

Hinweis

Die BBK-Liste ist nicht schlecht, sie ist nur unvollständig. Sie deckt Nahrung solide ab, geht aber davon aus, dass Strom, Wasser und Kommunikation funktionieren. Genau das ist in einer ernsthaften Krise nicht der Fall.

Was du für eine ernsthafte Krisenvorsorge wirklich brauchst.
Übersichtlich beschriftete Vorratsdosen und Wasserkanister in einem Kellerregal
Ordnung im Vorratslager: Beschriftete Behälter und FIFO-Rotation verhindern Verschwendung. Bild: KI generiert

Drei Stufen: 10, 30 und 90 Tage

Fang mit der Grundstufe an und arbeite dich hoch. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf.

  • Stufe 1 (10 Tage, ~200 EUR/Person): BBK-Vorrat + Wasserfilter + Bargeld + Stirnlampe + Radio. Deckt die häufigsten Szenarien ab: kurzer Stromausfall, Lieferengpass, Unwetter. Erreichbar in einer Woche.
  • Stufe 2 (30 Tage, ~500 EUR/Person): Erweiterte Vorräte + Gaskocher + PMR-Funkgeräte + Medikamentenvorrat + Petroleumofen/Schlafsack. Für längere Krisen, Pandemie-Lockdown, regionale Katastrophen.
  • Stufe 3 (90 Tage, ~1.500 EUR/Person): Langzeitvorräte (Trockennahrung, Langzeitkonserven) + Solarpanel (100W + Powerstation) + hochwertiger Wasserfilter (Berkey/Katadyn) + CB-Funk + Gartenanbau-Grundausstattung. Für den Fall, dass die Infrastruktur länger ausfällt.

Richtig lagern: FIFO-Rotation und Haltbarkeit

Vorräte, die vergessen im Keller stehen und ablaufen, nützen niemandem. Lagerung nach Prinzip:

  • FIFO (First-In-First-Out): Neue Vorräte nach hinten, alte nach vorne. Was zuerst reinkommt, wird zuerst verbraucht. Markiere jede Verpackung mit Kauf-/Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Lagerbedingungen: Kühl (unter 20°C ideal), dunkel, trocken. Kein direktes Sonnenlicht, keine Feuchtigkeit. Keller oder Abstellkammer sind ideal.
  • In den Alltag integrieren: Kauf Konserven und Trockenprodukte, die du sowieso isst, einfach in doppelter Menge. So rotiert der Vorrat automatisch und nichts wird verschwendet.

Tipp

Führe eine einfache Inventarliste (Tabelle oder App). Prüfe alle 3 Monate die Haltbarkeitsdaten und verbrauche, was bald abläuft. So bleibt dein Vorrat immer frisch.

Bedrohungslagen 2026: Was realistisch ist

Keine Zombie-Apokalypse. Diese Szenarien sind real und wahrscheinlich:

  • Stromausfall (72h realistisch bei Winterlage): Das europäische Stromnetz ist stabil, aber nicht unverwundbar. Winterspitzen mit hohem Verbrauch und geringer Solarproduktion sind die kritische Phase. Das BBK verpflichtet Betreiber kritischer Infrastruktur, ihre Notstromversorgung auf mindestens 72 Stunden ohne externe Nachlieferung auszulegen.
  • Cyberangriffe auf Infrastruktur: Wasserwerke, Energieversorger und Logistik-Unternehmen werden regelmäßig angegriffen. Ein erfolgreicher Angriff auf die Wasserversorgung oder Logistikketten würde die Versorgung regional für Tage unterbrechen.
  • Lieferkettenunterbrechung: COVID hat gezeigt, wie fragil Just-in-Time-Lieferketten sind. Supermärkte haben Vorräte für 2-3 Tage. Jede größere Störung (Pandemie, Hafenblockade, Streik) führt schnell zu leeren Regalen.

Wichtig

Krisenvorsorge ist kein Misstrauen gegenüber dem Staat. Das BBK selbst fordert die Bevölkerung zur Vorsorge auf, weil Behörden und Hilfsorganisationen in den ersten 72 Stunden einer Großlage nicht überall gleichzeitig helfen können. Du sorgst für dich, damit die Helfer sich auf die konzentrieren können, die es nicht können.

Häufige Fragen zur Krisenvorsorge

Reichen 10 Tage Vorrat wirklich?

Für die wahrscheinlichsten Szenarien (kurzer Stromausfall, Unwetter, regionale Störung) ja. Für längere Krisen empfehlen wir mindestens 30 Tage. Die 10 Tage sind das Minimum, nicht das Optimum.

Wie lagere ich Wasser über längere Zeit?

Lebensmittelechte Kanister (5-20 Liter) mit Leitungswasser füllen, dunkel und kühl lagern. Alle 6 Monate wechseln. Alternativ: handelsübliches Wasser in verschlossenen Flaschen hält praktisch unbegrenzt. Zusätzlich: Wasserfilter als Langzeit-Lösung.

Brauche ich einen Generator?

Für die meisten Haushalte nicht. Ein 100W-Solarpanel mit Powerstation (500-1.000 EUR) ist leiser, wartungsärmer und braucht keinen Treibstoff. Damit läufst du Handy, Radio, Lampen und einen kleinen Kühlschrank. Ein Benzin-Generator lohnt sich nur, wenn du grössere Verbraucher betreiben musst.

Wie viel Bargeld sollte ich zu Hause haben?

500-1.000 EUR in kleinen Scheinen (5er, 10er, 20er). Große Scheine kann in einer Krise niemand wechseln. Das Geld deckt 2-4 Wochen Grundversorgung, wenn Kartenzahlung und Geldautomaten ausfallen.

Ist Krisenvorsorge nicht übertrieben?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz selbst empfiehlt 10 Tage Vorrat. Wer eine Haftpflichtversicherung hat, versichert sich gegen unwahrscheinliche Ereignisse. Krisenvorsorge ist dasselbe Prinzip: geringe Kosten, hoher Nutzen im Ernstfall.

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