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Digital-Nomad-Visa als Weg zur Residency: Der Ländervergleich 2026

11 min Lesezeit
Aktualisiert am: 17. August 2026
Person arbeitet mit Laptop an einem Café-Tisch in einer sonnigen europäischen Küstenstadt, Reisepass liegt auf dem Tisch
Digital-Nomad-Visa verlangen keine sechsstellige Investition, nur den Nachweis eines ausreichenden Fernarbeits-Einkommens. Bild: KI generiert

TL;DR

Digital-Nomad-Visa verlangen statt einer sechsstelligen Investition nur den Nachweis eines Fernarbeits-Einkommens oberhalb einer Landesschwelle, die zwischen rund 2.760 EUR (Spanien) und 4.500 EUR (Estland) im Monat liegt. Entscheidender als die Zahl selbst ist, ob die Aufenthaltszeit überhaupt auf eine Daueraufenthaltsgenehmigung angerechnet wird: Portugals D8-Visum zählt, Estland und Kroatien schließen das ausdrücklich aus. Alle Schwellen werden meist jährlich angepasst und gehören vor jeder Bewerbung neu beim zuständigen Konsulat bestätigt.

Ein Golden Visa verlangt oft eine halbe Million Euro Investition. Ein Digital-Nomad-Visum verlangt einen Kontoauszug. Für die wachsende Zahl an ortsunabhängigen Selbstversorgern und Freiberuflern ist das ein völlig anderer Zugang zur Residency, mit eigenen Fallstricken.

Dieser Artikel vergleicht die Einkommensschwellen von fünf europäischen Digital-Nomad-Programmen für 2026 und beantwortet die Frage, die in den meisten Übersichten fehlt: Zählt die Zeit auf dem Visum überhaupt zu einer Daueraufenthaltsgenehmigung, oder bleibt sie ein befristeter Aufenthalt ohne Anschlussperspektive?

Digital-Nomad-Visa vs. Golden Visa: der andere Weg zur Residency

Klassische Residency-by-Investment-Programme verlangen Kapital: Immobilienkäufe, Staatsfondseinlagen oder Unternehmensbeteiligungen, meist im sechsstelligen Bereich. Diese Programme richten sich an Menschen mit Vermögen, das sie binden können, nicht an Menschen mit einem Einkommen, das sie bereits verdienen.

Digital-Nomad-Visa drehen diese Logik um. Statt Kapital zu binden, verlangen sie den laufenden Nachweis eines Einkommens aus Fernarbeit, meist über Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge oder Verträge mit ausländischen Auftraggebern. Wer als Angestellter eines Unternehmens außerhalb des Ziellandes arbeitet oder als Freiberufler Kunden im Ausland bedient, kommt grundsätzlich infrage, ganz ohne Immobilienkauf oder Anlagevermögen.

Der Haken liegt nicht im Zugang, sondern in der Zielgeraden. Golden-Visa-Programme sind fast immer explizit auf einen Weg zur Daueraufenthaltsgenehmigung und teils zur Einbürgerung ausgelegt, weil das Investment genau dafür bezahlt wird. Bei Digital-Nomad-Visa ist das keineswegs selbstverständlich, wie der Ländervergleich unten zeigt.

Die Einkommensschwellen 2026 im Vergleich

Alle fünf Programme verlangen ein Mindesteinkommen aus Fernarbeit, aber die Höhe und die Berechnungsgrundlage unterscheiden sich erheblich. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Schwellen für einen alleinstehenden Antragsteller sowie, soweit belegt, ob die Aufenthaltszeit auf eine Daueraufenthaltsgenehmigung angerechnet wird.

LandEinkommensschwelle/MonatBerechnungsgrundlageZählt zur Daueraufenthaltsgenehmigung?
Portugal (D8)3.680 EUR4x Mindestlohn (920 EUR, 2026)Ja
Estland4.500 EURfester SchwellenwertNein, keine automatische Verlängerung
Griechenland3.500 EURfester SchwellenwertNicht belegt, individuell prüfen
Spanienca. 2.760-2.849 EURca. 200 % MindestlohnNicht belegt, individuell prüfen
Kroatien3.622,50 EUR2,5x Netto-Durchschnittsgehalt Vorjahr (amtlich)Nein, ausdrücklich ausgeschlossen

Die Spanne von rund 1.750 EUR zwischen der niedrigsten und der höchsten Schwelle ist erheblich, aber sie ist nicht das eigentliche Auswahlkriterium. Wer ein Visum vor allem als Zwischenstation für ein bis zwei Jahre nutzen will, kann sich an der reinen Einkommenshöhe orientieren. Wer dagegen eine echte Daueraufenthaltsgenehmigung oder später eine Einbürgerung anstrebt, sollte die letzte Spalte stärker gewichten als die zweite.

Wichtiger Hinweis

Alle genannten Schwellen werden regelmäßig angepasst, häufig gekoppelt an den jeweiligen Mindestlohn oder das Durchschnittsgehalt des Vorjahres. Die Zahlen in diesem Artikel spiegeln den Recherchestand von August 2026 und können zum Zeitpunkt deiner Lektüre bereits veraltet sein. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Einwanderungs- oder Steuerberatung. Bestätige jede Zahl vor einer Bewerbung direkt beim zuständigen Konsulat oder der Einwanderungsbehörde.

Portugal D8: der stärkste Weg zu Daueraufenthalt und Einbürgerung

Portugals D8-Visum sticht im Vergleich klar heraus, nicht weil die Einkommensschwelle besonders niedrig wäre, sondern weil die dort verbrachte Zeit tatsächlich auf dem üblichen portugiesischen Weg zu Daueraufenthalt und Einbürgerung angerechnet wird. Das unterscheidet Portugal von Estland und Kroatien, wo das Visum eine reine Zwischenlösung bleibt, ganz gleich wie lange man es verlängert.

Die Einkommensschwelle ist gesetzlich an den portugiesischen Mindestlohn gekoppelt und beträgt das Vierfache davon. Bei einem Mindestlohn von 920 EUR im Monat für 2026 ergibt das folgende Werte:

  • Alleinstehender Antragsteller: 3.680 EUR/Monat (4x Mindestlohn).
  • Zuschlag für Ehepartner: +50 % (+460 EUR), kombiniert also 4.140 EUR/Monat.
  • Zuschlag je unterhaltsberechtigtem Kind: +30 % (+276 EUR) pro Kind zusätzlich.

Diese Kopplung an den Mindestlohn bedeutet gleichzeitig: Die Schwelle steigt automatisch mit jeder Mindestlohnerhöhung, ohne dass die portugiesische Einwanderungsbehörde das Gesetz ändern muss. Für Familien mit mehreren Kindern kann sich die Gesamtschwelle dadurch deutlich schneller erhöhen als bei den Einzelantragsteller-Programmen anderer Länder.

Estland und Griechenland: hohe Schwelle, unterschiedliches Ziel

Estland verlangt mit 4.500 EUR im Monat die höchste Einkommensschwelle unter den gängigen europäischen Digital-Nomad-Programmen, deutlich über Portugal und Griechenland. Wer diese Hürde nimmt, bekommt dafür aber keine automatische Verlängerungsoption nach Ablauf der ersten Visumsperiode. Das estnische Programm funktioniert damit eher als befristeter, planbarer Aufenthalt für ein Jahr als als Einstieg in einen Residency-Pfad.

Griechenland verlangt mit 3.500 EUR im Monat eine niedrigere Schwelle als Estland und legt zusätzlich einen finanziellen Anreiz obendrauf: Wer mindestens zwei Jahre im Land bleibt und die Voraussetzungen erfüllt, profitiert von einer 50-prozentigen Reduktion der Einkommenssteuer. Das macht Griechenland finanziell attraktiv, unabhängig von der Frage, ob das Visum später zu einer Daueraufenthaltsgenehmigung führt, eine Frage, zu der die vorliegenden Quellen keine gesicherte Aussage treffen.

Der Vergleich zeigt ein wiederkehrendes Muster: Ein Land mit einer höheren Einkommensschwelle bietet nicht automatisch mehr Perspektive. Estland verlangt mehr Geld für weniger Planungssicherheit, Griechenland verlangt weniger und legt einen Steuervorteil obendrauf, aber keins der beiden Programme liefert die klare Anrechnung, die Portugal auszeichnet.

Belebte europäische Altstadtstraße mit Cafés, an denen Menschen mit Laptops arbeiten
Ob Lissabon, Athen oder Zagreb: Digital-Nomad-Visa ziehen Fernarbeiter in europäische Städte, aber die Regeln zur Daueraufenthaltsberechtigung unterscheiden sich massiv. Bild: KI generiert

Spanien: Steuervorteil mit einer vermeidbaren Ablehnungsfalle

Spanien verlangt mit rund 2.760 bis 2.849 EUR im Monat die niedrigste Einkommensschwelle im Vergleich, etwa 200 % des spanischen Mindestlohns. Die leichte Abweichung zwischen den beiden Quellen erklärt sich vermutlich dadurch, dass sie sich auf unterschiedliche Stichtage des Mindestlohns beziehen, ein Effekt, der bei jeder mindestlohngekoppelten Schwelle auftreten kann.

Finanziell attraktiv wird Spanien durch eine Sonderregelung, die die Einkommensteuer für die ersten vier Jahre auf 24 % der ersten 600.000 EUR Einkommen deckelt, ein deutlicher Vorteil gegenüber der regulären progressiven Besteuerung. Genau dieser Vorteil macht das Programm besonders begehrt, was wiederum zu einer strengeren Prüfungspraxis bei der Einkommensherkunft geführt hat.

Ein wiederkehrender und vermeidbarer Ablehnungsgrund betrifft die Struktur des nachgewiesenen Einkommens: Die spanischen Behörden haben Anträge explizit zurückgewiesen, bei denen das Einkommen über eine lokale Employer-of-Record-Firma (EOR) statt über einen echten ausländischen Arbeitgeber oder eine direkte Kundenbeziehung im Ausland abgewickelt wurde. Eine EOR-Konstruktion sieht auf dem Papier oft wie eine ausländische Anstellung aus, wird aber von den Behörden als lokale, spanische Beschäftigung gewertet, was dem Grundprinzip des Visums widerspricht.

Praxistipp

Reiche für Spanien nach Möglichkeit einen direkten Arbeitsvertrag mit einem tatsächlich im Ausland ansässigen Arbeitgeber oder Kundenverträge mit ausländischen Auftraggebern ein, keine Abrechnung über eine lokale EOR-Firma. Lass den Vertrag im Zweifel von einer spanischen Einwanderungskanzlei vorab prüfen, bevor du den Antrag stellst.

Kroatien: die strittige Zahl und der Fakt, der feststeht

Für Kroatien kursierten in der Recherche zwei deutlich abweichende Zahlen: eine Quelle nannte 2.540 EUR im Monat, eine andere unter Berufung auf das kroatische Innenministerium 3.622,50 EUR, ein Unterschied von rund 40 %. Um das zu klären, wurde direkt die offizielle Seite des kroatischen Innenministeriums (Ministarstvo unutarnjih poslova, mup.gov.hr) abgefragt.

Wie die Zahl verifiziert wurde

Die offizielle Seite des kroatischen Innenministeriums bestätigt 3.622,50 EUR im Monat, berechnet als das 2,5-fache des durchschnittlichen monatlichen Nettogehalts des Vorjahres laut staatlichem Statistikamt. Die niedrigere Zahl von 2.540 EUR stammt vermutlich aus einer älteren Fassung, da sich die Schwelle formelbasiert jedes Frühjahr automatisch neu berechnet. Für diesen Artikel gilt die amtlich bestätigte Zahl.

Alternativ akzeptiert Kroatien auch einen Ersparnisnachweis: 43.470 EUR für einen zwölfmonatigen Aufenthalt oder 65.205 EUR für achtzehn Monate. Unabhängig von der exakten Einkommenshöhe steht ein zweiter Punkt aber unstrittig fest, den beide ursprünglichen Quellen übereinstimmend berichten: Die auf dem kroatischen Digital-Nomad-Visum verbrachte Zeit zählt nicht zu einer Daueraufenthaltsgenehmigung. Das Visum ist auf maximal achtzehn Monate befristet, eine Verlängerung um bis zu sechs weitere Monate ist möglich, danach ist ein Neuantrag mit unterbrochenem Aufenthalt nötig. Diese erzwungene Lücke verhindert genau die durchgehende Aufenthaltszeit, die für eine Daueraufenthaltsgenehmigung vorausgesetzt wird.

Grenzen dieses Vergleichs

Dieser Artikel ist als Einstieg gedacht, nicht als Ersatz für individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Die Frage, ob ein Digital-Nomad-Visum in deinem Fall zu Daueraufenthalt oder Einbürgerung führen kann, hängt neben dem Programm selbst auch von deiner Staatsangehörigkeit, bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen, deinem Familienstand und davon ab, ob du das Visum ununterbrochen verlängerst.

Für Griechenland und Spanien lag zum Zeitpunkt der Recherche keine belastbare, unabhängig bestätigte Aussage darüber vor, ob und wie die Aufenthaltszeit auf eine Daueraufenthaltsgenehmigung angerechnet wird. Das ist bewusst offen gelassen statt geraten, weil eine falsche Annahme an dieser Stelle teurer werden kann als jede der genannten Einkommensschwellen. Kläre diesen Punkt für dein Zielland immer direkt mit einer auf Einwanderungsrecht spezialisierten Kanzlei vor Ort.

Häufige Fragen zu Digital-Nomad-Visa und Residency

Zählt die Zeit auf einem Digital-Nomad-Visum automatisch zu einer Daueraufenthaltsgenehmigung?

Nein, das unterscheidet sich stark von Programm zu Programm. Portugals D8-Visum zählt zur Daueraufenthaltsgenehmigung, Estland und Kroatien schließen das ausdrücklich aus. Für Griechenland und Spanien liegt dazu keine gesicherte Aussage vor, das solltest du vor der Bewerbung direkt beim zuständigen Konsulat klären.

Welches Land hat im Vergleich die niedrigste Einkommensschwelle?

Spanien, mit rund 2.760 bis 2.849 EUR im Monat, je nachdem, auf welchen Stichtag des spanischen Mindestlohns sich die Quelle bezieht. Das entspricht etwa 200 % des spanischen Mindestlohns.

Kann ich mein Einkommen über eine Employer-of-Record-Firma (EOR) nachweisen?

In Spanien ist das ein bekannter und vermeidbarer Ablehnungsgrund. Die Behörden haben Anträge zurückgewiesen, bei denen das Einkommen über eine lokale EOR-Firma statt über einen echten ausländischen Arbeitgeber oder direkte Kundenverträge im Ausland nachgewiesen wurde.

Ändern sich die Einkommensschwellen jedes Jahr?

Bei mehreren Programmen ja, weil die Schwelle formelbasiert an den Mindestlohn oder das Durchschnittsgehalt des Vorjahres gekoppelt ist, wie in Portugal und Kroatien. Die Zahlen in diesem Artikel spiegeln den Stand von August 2026 und sollten vor jeder Bewerbung neu bestätigt werden.

Sind Digital-Nomad-Visa eine Alternative zu Golden Visa oder Investmentprogrammen?

Der Zugangsmechanismus ist grundlegend anders: keine sechsstellige Kapitalbindung, sondern der laufende Nachweis eines qualifizierenden Fernarbeits-Einkommens. Der Preis dafür ist ein deutlich unsichererer und stärker variierender Weg zu Daueraufenthalt oder Einbürgerung als bei den meisten Investmentprogrammen.

Quellen

  1. Remote Work Europe, „Digital Nomad Visa Income Requirements 2026", abgerufen am 17.08.2026
  2. Apoio Jurídico Imigração, „Portugal D8 Visa Requirements", abgerufen am 17.08.2026
  3. Schengen Monitor, „Digital Nomad Visas Europe 2026", veröffentlicht 11.05.2026, abgerufen am 17.08.2026
  4. Ministarstvo unutarnjih poslova Republike Hrvatske, „Privremeni boravak u svrhu boravka digitalnih nomada" (amtliche Angaben zum kroatischen Digital-Nomad-Aufenthalt), abgerufen am 17.08.2026

Der Content wurde mit Hilfe von KI erstellt, vor allem in der Recherche und Vorformulierung. Prüfung und Abnahme durch unsere Redaktion.

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